Weinlese 2017 – lachende und tränende Augen

Es ist vollbracht, die Weinlese 2017 ist endlich gelesen, auch wenn es keine Messe war.

Spannende Wochen liegen hinter uns, denn es ist wohl kein Geheimnis, dass in der Weinlese der mit Abstand markanteste Meilenstein des Winzerjahres erreicht ist.

Weinlese 2017 Vogelschutznetz
Bevor es losgeht, muss der Vogelschutz wieder abgenommen werden.

 

Von Oechsle und Ertragsmengen

Hand auf’s Herz, liebe Winzer, in einem Belang geht es uns allen zumindest ähnlich: Beim Entfernen von übermäßig vielen Trauben tun wir uns schwer, es schmerzt einem fast das Herz, wenn man gut gewachsene Gescheine – oder noch schlimmer – ganze Trauben entfernen soll, damit die Rebstöcke nicht überlastet werden.

Weinlese 2017 voller Rebstock
Sie gut aus, ist aber nicht immer gut. Vor allem bei jüngeren Rebstöcken.

Und wie so oft, macht man immer dieselben Fehler, indem man sagt, „Ach komm, die lasse ich lieber hängen. Als Reserve…“ und so weiter.  Doch das ist definitiv der falsche Weg. Denn hängt zu viel an einem Rebstock, ist dieser nicht in der Lage, alle Trauben mit der erforderlichen Energie zu versorgen. Das Resultat ist dann zu wenig Fruchtzucker – zu geringe Oechslezahlen.

Doch damit verdient der Winzer sein Geld und damit bestimmt man die Qualität des gelesenen Weins. Je höher der Oechslewert, desto hochwertiger das Lesegut und später der resultierende Wein.

Weinernte 2017 Müller Thurgau
Zeile für Zeile – je nach Sorte müssen bis zu vier Reihen gelesen werden.

Die fehlenden Oechslewerte sind keinesfalls mit einer übermäßigen Ertragsmenge zu kompensieren. Zumal es Grenzwerte gibt: Unterschreitet man die für die jeweilige Sorte vorgegebene Oechslezahl, wird der Wein nur als Landwein anerkannt, zu bedeutend schlechteren Konditionen. Verständlich, denn die Ansprüche sind hoch beim Meißner Wein – zum Glück!

 

Weinlese und Wetter

Da wir als Mitglied einer Winzergenossenschaft davon abhängig sind, wann entsprechende Anlieferungstermine gelten, wird die Weinlese in unserem Berg entsprechend danach orientiert. Da ebendiese Termine aus Mittelwerten der Reifegrade jeweiliger Rebsorten resultieren, kann es vorkommen, dass die eine oder andere Sorte noch nicht soweit ist, als das man selbst sagen würde, „jetzt wird sie gelesen“.

Dazu kommt, dass es bei manchen Terminfenstern recht knapp wird, die Lese in dieser Zeit einzubringen. Zumal immer ein Hauptaugenmerk auf dem Wetter liegt.

Weinlese 2017 Transport
Jetzt aber schnell – Bei einsetzendem Regen gilt es, das Lesegut trocken zu transportieren.

Bei Niederschlägen oder nebelfeuchtem Wetter sollte man besser nicht lesen. Die Trauben sind nass und dies ist weder für den später ermittelten Oechslewert noch für die Qualität im Einzelnen zuträglich. Daher liest man natürlich am Liebsten bei trockenem, besser noch sonnigem Wetter.

 

Unser Ergebnis

Unsere Sparte im Weinberg besitzt mit sechs Sorten schon eine gewisse Vielfalt, wobei vier Sorten den Hauptertrag ausmachen. Ganz besonders der Müller-Thurgau und der Weißburgunder sind dabei sehr wichtig, da sie gut drei Viertel des Gesamtertrages liefern. Danach kommen Traminer und Riesling, als kleinsten Part stehen Gutedel und Dornfelder am Ende der Ertragsliste.

Weinlese 2017 Lesekiste
Knapp 1.200 kg – Kiste für Kiste – alles per Hand vom Berg getragen.

Insgesamt wurden bei unserer Weinlese 2017 knapp 1,2 Tonnen gelesen. Ein überaus gutes Ergebnis. Die Oechslewerte hätten beim Weißburgunder etwas besser sein können, doch insgesamt schafften wir alle Vorgaben, vereinzelt übertrafen wir sie sogar deutlich.

Der Gutedel ist in unserer Winzergenossenschaft als Landwein deklariert. Eine Ermittlung der Oechslewerte gibt es daher nicht.

Unser Sorgenkind ist der Dornfelder. Dieser wurde fast vollständig durch die Kirschessigfliege befallen. Ein Schädling, gegen den es bislang noch kein wirksames Mittel gibt und der besonders gerne rote Rebsorten befällt. Dadurch kam es in diesem Jahr zum Totalverlust.

Lediglich knapp zehn Kilo konnten wir mit großem Kontrolle- und Putzaufwand lesen. Diese haben wir dann zu einfachem Traubensaft verarbeitet. Eine Abgabe wäre bei der Menge unsinnig.

 

Unsere Erfahrungen aus der Weinlese 2017

Nächstes Jahr wird alles besser! Nun ja, das sagt man fast immer und in jedem Themenbereich. Doch mal ehrlich, natürlich lernt man aus Fehlern und versucht sie zukünftig zu vermeiden. Für uns bedeutet das wie folgt:

  1. Kompromissloser Winterschnitt, ohne Behalt von Reserven – weniger Material bringt weniger Fruchtkörper und damit bessere Oechslewerte.
  2. Minimalistischer Pflanzenschutz: Unsere Vorgehensweise in diesem Jahr hat sich bewährt, wir bleiben dabei. Weniger ist mehr. Die Rebstöcke bleiben überwiegend gesund und die Belastungen bleiben gering.
  3. Der Dornfelder bleibt, trotz Kirschessigfliege. Denn dieser Schädling sucht sich, wenn er keine roten Reben findet, auch gerne weiße Reben. Daher bleibt der Dornfelder als eine Art „Opferanode“ für den anderen Wein im Bestand.
Weinlese 2017 Grünschnabel 2016
In der wohlverdienten Pause gibt’s einen Grünschnabel vom Vorjahr – lecker!

Und nun?

Jetzt, so könnte man meinen, darf isch der Winzer auch mal zurücklehnen!  Doch Moment, da war noch etwas! Genau, die Kartoffeln müssen auch noch raus! Da es sich nur um wenige Meter handelt, ist dies aber schnell erledigt.

Kartoffellese 2017
Erdäpfel-Ernte – es sind nicht viele, aber es lohnt sich immer. Eigene Ernte ist immer etwas völlig anderes.

Nun ist auch das Weinfest in Meißen, dass neben dem einen oder anderen zünftigen Besuch auch mit dem Festumzug als Highlight schlechthin sehr zu empfehlen ist. Und selbstredend, dass man als Winzer dabei ist – oder?

Ein Bericht hierzu folgt in Kürze.

Text/Fotos: rebensart

 

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