Oidium, Peronospora und andere Zungenbrecher

Alarm im Weinberg: Wir sind nun in der Nachblüte, da besteht die Gefahr der Infektion mit Oidium, Peronospora und anderen Feinden des Weines. 

Was so fremdartig und Zungenakrobatik verlangend klingt, ist im Grunde nichts weiter als echter Mehltau und falscher Mehltau. Diese beiden Pilzkrankheiten können nämlich dem Wein richtig schwer zu schaffen machen – ja sogar dessen Ende einläuten.

Einige Rebstöcke zeigen Befall – Zeit das man dem entgegenwirkt.

Rebensart Peronosporia
So sieht der Beginn von Peronosporia aus. Mehr als dieses Stadium möchte ich nicht sehen.

Pflanzenschutz ja – aber mit Köpfchen

Jeder Winzer möchte seinen Bestand natürlich schützen – ich auch, klar. Und da es sich bei einem Weinberg um eine Monokultur handelt – also jedes Jahr dasselbe Pflanzgut – besteht besonders die Gefahr, dass man Infektionskrankheiten einschleppt, die dann hartnäckig über Jahre ihr Unwesen treiben können.

Daher gab es am Anfang dieser Woche eine Behandlung gegen all diese ungebetenen „Gäste“ des Weines. Das Wetter war ideal dafür, kein Regen, kein Wind und Temperaturen um die 20 Grad. Man behandelt – meist ist es Spritzen oder Sprühen – den Wein idealerweise entweder ganz früh zeitig, oder spät abends. Viele Dinge sind zu beachten: Sonneneinstrahlung, Wind, Feuchtigkeit wie Tau, Bienenflug und vieles mehr.

Es gibt natürlich gesetzliche Vorgaben, Vorschriften und Empfehlungen, was den Einsatz, Zeitpunkt, Menge und Art des Pflanzenschutzes im Weinbau angeht. Man kann aber natürlich auch alles  Pflanzenschutz sein lassen und der Natur seinen Lauf lassen. Das nennen manche „Bio“ und das klappt manchmal sogar. Doch weder kann man als Mitglied in einer Genossenschaft seinen eigenen (Bio)-Weg gehen, noch ist dies der unbedingt richtige Weg.

Ein Totalverlust ist ohne Pflanzenschutz nicht unwahrscheinlich – und das kann im schlimmsten Fall nicht nur die Ernte – also die gelesenen Trauben – betreffen, sondern die Rebstöcke im Ganzen.

Zusätzlich öffnet man Schädlingen wie dem Traubenwickler oder Krankheitserregern wie Viren, Bakterien oder eben Pilze Tür und Tor, um sich exponentiell zu vermehren und dann auch andere Weinberge zu befallen.

Rebensart Pflanzenschutz
Kontrolle der Blattbenetzung mit dem Pflanzenschutzmittel nach dem Sprüheinsatz.

Daher setzt man den Pflanzenschutz ein. Wir setzen auf ökologischen Pflanzenschutz. Das heißt, man behandelt die Pflanzen bei Bedarf und dann nur, wenn der Befall den Kosten-Nutzenfaktor überschreitet. Zusätzlich belässt man vorbeugende Aktivitäten auf einem Minimum. Neuaufrebungen werden mit Rebstöcken geplant, welche entsprechende Resistenzen gegen schadenverursachende Invasoren mitbringen. Auf diese Art vermindert man die Menge der Pflanzenschutzmittel und dadurch die Belastung des Weines und der Natur & Umwelt.

Auch wenn es mittlerweile extrem gute Mittelchen gibt, welche in geringen Dosen ausreichend Wirkung zeigen und dabei geringstmögliche Wechselwirkungen für die Natur und Umwelt mitbringen, muss man nicht unnötig behandeln – finde ich.

Übrigens: Pflanzenschutz ist nicht gleich Gift! Der wirklich giftige Anteil der zugelassenen Mittel bewegt sich tatsächlich nur im einstelligen Prozentbereich. Ich habe noch keinen davon für den Einsatz in Erwägung gezogen.

Ohne Know How kein Pflanzenschutz

Um einen verantwortungsvollen und korrekten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu gewährleisten, muss man als Winzer die Sachkunde für Pflanzenschutz nachweisen. Bei bestandener Prüfung erhält man dann einen Ausweis, der zum Erwerb, zum Einsatz und die Beratung zu Pflanzenschutzmittel berechtigt. Ich finde, das ist unabdingbar und im Interesse aller. Also Natur, Umwelt, Verbraucher und für sich selbst.

So, an der Stelle machen wir einen Strich unter die Ernsthaftigkeit und schwenken zu den unterhaltsameren Themen im Weinberg.

Regen bringt Segen

Endlich! Der Regen war soooo lange überfällig, dass ich beim Eintreffen desselbigen fast einen Freudentanz durchgeführt habe! Nach vielen Wochen ohne Regen waren die Regentonnen alle längst leer und das Obst, Gemüse und die Blumen am und im Weinberg dürsteten nach täglicher Bewässerung.

Rebensart Nachblüte
Endlich Regen! Die schrotgroßen Früchtchen genießen diese Dusche ebenfalls. 😉

Die Rebstöcke selbst benötigen kein Wasser. Sie wurzeln derart tief – bis zu 18 Meter schaffen sie! – dass sie auch in solchen Trockenperioden genügend Wasser finden.

Einzige Ausnahme sind die Neuankömmlinge, die neu gepflanzt natürlich erst einmal ein derartiges Wurzelwerk bilden müssen.

Dann, endlich gab es ordentlich was: Über 30 Liter pro Quadratmeter in zwei Tagen, da sind die Regentonnen wieder voll und der Boden schön durchfeuchtet. Prima!

Regen bringt Schleimer

Nun ja, eine besondere Gattung hat natürlich ebenso – quasi mit mir gemeinsam – auf den Regen gewartet. Die Weinbergschnecken! Unzählige davon marschieren nun ganz gemächlich über den feuchten Boden und suchen hungrig nach Fressbarem.

Rebensart Helix pomatia
Darf ich vorstellen? Helix pomatia – oder auch Weinbergschnecke.

Den Wein lassen sie glücklicherweise in Ruhe. Aber frisch gewachsenen Basilikum oder Salat, den kann man getrost abschreiben.

In ihrer Fresslaune haben die kleinen Hausträger auch keine Angst und mutieren mitunter sogar zu „Beinbergschnecken“ 😉

Helix pomatia
„B“ statt „W“ – Die neue Gattung „Beinbergschnecke“! 😉

Wie geht es weiter?

Der gewünschte Regen ist nun gekommen und nun darf es auch gerne wieder sonnig und warm werden. Denn nasse Witterung gefällt nur den Viren, Pilzen & Co. Also fast wie bei uns Menschen, wenn wir in der nasskalten Jahreszeit schnell mal einen grippalen Infekt auflesen. Kennt man, oder?

Ich hoffe auf einen sonnigen und sommerlichen Juli! Ich denke mal, ihr auch, oder? 😉

Rebensart Reben
Da ist sie schon wieder: Die Sonne! Ich hoffe, sie bleibt wieder öfter.

 

 

 

 

 

 

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