Fürstenberg Meißen – Die bewegende Geschichte eines Weinbergs

Zwischen dem ganzen Leben und Erleben im Weinberg gibt’s heute einmal einen kleinen Exkurs zur Geschichte des Fürstenberg Meißen – so der Name des Weinberges, an dem ich eine sogenannte Parzelle bewirtschafte.

Vorab möchte ich schon anmerken, dass es dabei für den unbedarften Leser womöglich einige Überraschungen geben wird. Doch beginnen wir von vorn.

Wurzeln des Weines ragen tief

Und dies im Falle des sächsischen Weines nicht nur im pflanzlichen, sondern auch im geschichtlichen Sinne. Der Entschluss zum Weinanbau entlang der sächsischen Elbe fiel bereits im Hochmittelalter – im 12. Jahrhundert, also vor knapp 900 Jahren.

Verdammt lange her, wenn man sich das vergegenwärtigt. Aus dieser Zeit stammt auch die erste schriftliche Erwähnung eines Weinberges in Meißen.

Schon damals fiel den Adligen das auffallend milde Klima entlang der Elbe auf, welches zusammen mit den guten Böden eine ideale Voraussetzung für den Weinbau darstellte. Roter Granit, teilweise verwittert, scheint hier nicht wenige Vorteile für das Wachstum von Reben zu besitzen.

Milde Winter und viele Sonnentage pro Jahr entlang der Sächsischen Weinstraße sind auch heute noch Grund für so liebevolle Bezeichnungen wie sächsische Toskana oder das mediterrane Elbtal.

So entstanden damals die ersten Weinberge, zu denen auch der Crassoberg gehört, der auch heute noch bebaut wird und auf dem ich vor einigen Jahren meinen ersten Kontakt zum Winzertum hatte und dabei meine Liebe zu Weinbau entdecken durfte.

Crassoberg Meißen
Burgblick – die Aussicht vom Crassoberg ist überwältigend.

 

Eines besitzt der Crassoberg vor allem heute noch: Die schönste Aussicht auf die Meißner Albrechtsburg. Der Blick vom Crassoberg ist unbestritten einer der schönsten von einem Weinberg in Meißen und Umgebung.

 

Ein Weinberg, der zunächst keiner war

In der Gesamtheit der historischen Ereignisse zum Weinbau in und um Meißen, war der Fürstenberg eher ein Spätzünder, der erst einige hundert Jahre später zum Weinbaugebiet Meißens zugehörig wurde.

Bevor der Fürstenberg sich jedoch ein Weinberg nennen durfte, nutzte man ihn im Grunde vorwiegend als Weideland, später dann nicht einmal mehr dafür. Mit den Jahren verwilderte der Fürstenberg und besaß nach einiger Zeit ein schier undurchdringliches Unterholz und anderen Wucherungen.

Die mit dem Beginn des Weinbaus stetig wachsende Beliebtheit und Nachfrage nach dem gekelterten Getränk aus eigener Region forderte allerdings neue Anbaugebiete, wodurch letztendlich der Besitzer des Fürstenberges – kein geringerer als Friedrich August, der Erste; seines Amtes sächsischer König – am Ende des 18. Jahrhunderts den Fürstenberg als neues Anbaugebiet freigab.

Der sächsische König – seinen Konterfei kann man heute noch in Dresden, direkt an der Hauptstraße beim Brauhaus Watzke bestaunen; als Goldener Reiter blickt er da hoch vom Ross – erließ die Urbarmachung des Fürstenberges und die Aufrebung zum königlichen Weinberg.

Keine Frage, dass August der Starke mit dem Wein offensichtlich eine seiner schwachen Seiten offenbarte. Doch mit der Liebe zum Wein beging man damals keine Sünde – im Gegenteil.

 

Alte Schule – im wahrsten Sinne des Wortes

Der Fürstenberg bekam nun noch eine andere, wegweisende und äußerst geschichtsträchtige Bedeutung:

Der König überließ den Fürstenberg nämlich im Jahre 1808 der damals gerade neun Jahre existierenden Sächsischen Weinbaugesellschaft zur Nutzung für den Weinbau und zur Errichtung der ersten Weinbau- und Winzerschule Europas, welche drei Jahre später, im Jahre 1811 offiziell eröffnet wurde.

Diese Sortiments- und Rebschule bildete bereits in ihrem Gründungsjahr 15 Lehrlinge zum Winzer aus – die Lehrzeit betrug damals vier Jahre.

Übrigens war ein Ausbildungsplatz spätestens ab 1817 an dieser Weinschule äußerst begehrt! Denn während der Ausbildung wurde man ab diesem Zeitpunkt per königlicher Verordnung vom Militärdienst freigestellt – in einer Zeit vieler kriegerischer Handlungen und Unruhen eine durchaus lebensverlängernde Vergünstigung.

Bereits zehn Jahre später wurde dieser königliche Erlass in schrittweisen Einschränkungen allerdings wieder zurückgenommen. Ob der Thronwechsel in Sachsen von Friedrich August auf seinen Bruder Anton der Grund für diese Rücknahme gelten konnte, darüber lässt sich heute nur noch mutmaßen.

Das Ende der Weinbau- und Winzerschule fand sich im Jahre 1830, als der Fürstenberg in private Hand überging – ein Resultat der damaligen Reformen des Liberalismus. Privat bewirtschaftet ging es nur noch um den Weinbau selbst, aber leider nicht mehr um eine Wissensvermittlung und Ausbildung.

 

Das vorläufige Ende des Weinbaus

Doch damit war die dunkle Epoche erst eingeläutet – es kam noch schlimmer. Viel schlimmer. Der eine oder andere Interessierte wird es bereits ahnen, was dem Fürstenberg den letztendlichen Garaus machte.

Ungefähr zwanzig Jahre nach dem Ende der ersten Winzerschule Europas, begann eine bis dahin ungekannte Einschleppung von Schädlingen und Krankheiten für die europäische Weinrebe aus der „neuen Welt“ – Amerika.

Das mit Abstand größte Übel stellte sich als Befall durch die Reblaus dar, wodurch auch der gesamte Bestand des Fürstenberges – wie auch der Großteil der anderen Anbaugebiete rund um Meißen, insgesamt ungefähr 55 Hektar – vernichtet wurden.

Auch Echter Mehltau – die fachchinesische Bezeichnung lautet Oidium – eine Pilzkrankheit der Rebpflanze, welche auch heute noch eine ernstzunehmende Gefahr im modernen Weinbau darstellt, wurde damals übrigens aus Amerika eingeschleppt.

 

Neuer Verwendungszweck

Nach dem Absterben aller Rebstöcke blieb nur noch die Rodung als Maßnahme übrig. Der Weinbau war nun zumindest für den Fürstenberg vorerst vorbei.

Nun wurde der Fürstenberg der Allgemeinheit zugänglich gemacht und neben der Errichtung einen 20 Meter hohen Aussichtsturmes – dem sogenannten Bismarck-Turm – im Jahre 1902, eröffnete man vier Jahre darauf den Stadtpark auf dem Fürstenberg, der den Einwohnern von Meißen in den nächsten Jahren Erholung und Natur pur bieten konnte.

 

Fürstenberg Meißen Bismarck-Turm
Auf diesem (höchsten) Punkt des Fürstenberg stand einst der Bismarck-Turm.

 

Auf anderen Weinbergen rund um Meißen fand seit dem Jahre 1905 eine Rekultivierung des Weinbaus statt, der im Jahre 1938 durch die Gründung der Sächsischen Weinbaugenossenschaft eine organisatorische Struktur wiedererlangen konnte. Der Sitz dieser Genossenschaft befand sich damals noch in Zitzschewig, ein kleiner Ort in der Nähe von Radebeul. Später zog man nach Meißen.

Die Nutzung des Fürstenbergs als Park war aber spätestens während des Zweiten Weltkrieges vorbei und die harten Winter sowie akuter Brennstoffmangel ließ die Menschen den gesamten zum Brennholz tauglichen Baumbestand roden, was bis in die ersten Nachkriegsjahre so weiterging.

 

Fürstenberg reloaded

Dann im Jahre 1947 besann man sich auf die ursprüngliche Nutzung des Fürstenbergs und die Sächsische Weinbaugenossenschaft – nun in staatlich/städtischer Hand – teilte das knapp zwei Hektar große Gebiet in 27 Parzellen auf, von der jede einzelne Parzelle durch einen Hobbywinzer bewirtschaftet wurde.

Die Aufrebung erfolgte damals fast ausschließlich mit der Rebsorte Müller-Thurgau, wodurch der Fürstenberg bis Anfang der Siebziger Jahre auch als Einzellage „Meißner Fürstenberg Müller-Thurgau“ bekannt und gehandelt wurde.

Die Sächsische Weinbaugesellschaft wurde übrigens 1955 in die Winzergenossenschaft Meißen umbenannt.

In den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten wurden viele Aus- und Aufbaumaßnahmen durch die Hobywinzer in Eigeninitiative durchgeführt. Dazu zählten beispielsweise die Errichtung eines massiven Dünge- und Geräteschuppens, den man 1965 fertigstellen konnte.

 

Fürstenberg Gerätehaus
Wird heute noch genutzt – das Gerätehaus dient bis heute als Lager für verschiedene Dinge zum Weinbau.

 

Nach der Neugründung des Weinbergs Fürstenberg vergingen noch weitere 30 Jahre, bis man 1977 eine Kraftstromanlage entlang des Hauptweges im Weinberg verlegte – auch dies geschah in Eigenleistung der damaligen Winzer.

 

Fürstenberg Meißen Stromanschluss
Saftausschank – Stromanschlüsse stehen über den gesamten Fürstenberg zur Verfügung.

 

Dies war eine große Erleichterung der Arbeit im Weinberg. So konnte man nun beispielsweise Elektroseilwinden für die Bodenbearbeitung benutzen, was bei der auf dem Fürstenberg teilweise herrschenden Hanglage eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen bedeutete.

 

rebensart Seilwinde
Mit solchen Seilwinden werden zum Beispiel Pflüge durch die Zeilen gezogen.

 

Nach der Wende wurde 1996 eine komplett neue Wasserleitung im Fürstenberg verlegt. Die erforderlichen Betriebsdrücke gewährleisteten von nun an alle erforderlichen Pflanzenschutzmaßnahmen im Weinberg und die gleichzeitige Abnahme mehrerer Pächter führte nicht mehr zum Zusammenbruch der vorherig maroden und druckarmen Wasserversorgung.

 

Fürstenberg Meißen Wasseranschluss
Wasser marsch! Wsserentnahmestellen haben ausnahmslos alle Parzellen des Fürstenbergs.

 

Später wurde auch peu á peu Umzäunung repariert, die Zufahrt zum und über den Fürstenberg befestigt sowie das Haupttor erneuert.

 

Fürstenberg – Heute besser denn je

Aktuell gibt es zirka 21 aktive Winzer im Weinberg Fürstenberg, welcher heute eine Gesamtfläche von ca. 2 Hektar ausmacht. Daraus kann der aufmerksame Leser erkennen, dass es noch Potenzial nach oben gibt! Also, wessen Interesse für den Weinbau geweckt wurde, der kann sich gerne hierfür bei der Meißner Winzergenossenschaft melden.

Im Übrigen hilft man sich als Winzer natürlich untereinander – vor allem bei einem Neustart wird keiner „hängengelassen“! Dies ist auch eine der alten Winzertugenden.

 

Füstenberg Meißen
Blick über einen Teil des Fürstenbergs Richtung Süd-Südwest.

 

In diesem Sommer feierten wir übrigens das 70-jährige Bestehen des neuen Fürstenberges mit einer zünftigen Feier mitten im Weinberg. Ich bin mir sicher, dass das 75-jährige Bestehen ebenso begangen wird. Vielleicht mit dem einen oder anderen neuen Winzer, der den Weg über diesen Blog zu uns findet? Ich würde mich sehr freuen! 🙂

Die heute angebauten Hauptrebsorten sind in nach Häufigkeit aufgezählter Reihenfolge der Müller-Thurgau, Weißburgunder, Traminer, Riesling, Goldriesling und als Rotweinsorten Spätburgunder, Dornfelder und seit 2005 Regent. Als Spalierwein findet man ferner auch den Gutedel immer wieder.

 

Bewegend wie die Vergangenheit des Fürstenberg ist der Weinbau selbst

Ich hoffe der kleine Exkurs hat ein wenig unterhalten. Für mich war es ein Muss, etwas von der Geschichte des Weinbaugebietes zu erfahren, auf dem ich mich einem der ältesten Anbauformen der Menschheit widme.

Weinbau und Önologie – was einst vor über 7.000 Jahren im Zwischenstromland von Euphrat und Tigris begann, ist längst über den gesamten Erdball verbreitet und erfreut mit so manchem edlen und oder süffigen Tropfen die Kehle von Genießern und lebensbejahenden Menschen.

In einem meiner nächsten Beiträge werde ich einmal die Sächsischen Weinstraße näher beleuchten. Denn neben Meißen und Umgebung, gibt es entlang der Elbe noch viele weitere interessante und sehenswerte Weinbaugebiete zu entdecken.

Doch vorher beginnt in Kürze die für den Winzer wichtigste Zeit des Jahres: die Weinlese. Der nächste Bericht gehört daher diesem Thema.

 

Crassoberg Weinlese
Weinlese 2016 auf dem Crassoberg – bei dieser Aussicht ein Genuss.

 

Noch ein Wort in eigener Sache:

Falls ihr selbst noch geschichtliche Informationen, Ergänzungen oder Bilder zum Fürstenberg beisteuern könnt, dann meldet euch bitte sehr gerne bei mir! Ich würde mich freuen, wenn dieser Exkurs aufgrund eurer Hilfe noch detaillierter ausfallen würde! 🙂

 

Bleibt gesund und kommt gut durch den Herbst!

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